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Typisch methodistisch

"Einigkeit und Heiligkeit sind die beiden Dinge, die ich bei den Methodisten finden möchte."

John Wesley (1703 - 1791)

Mittwoch 10. April 2019 06:30Alter: 9 days
/ Kategorie: Weltweit

«Unterstützen wir nur diejenigen, die so denken wie wir?» - Kirchenverantwortliche sprechen über die Folgen der Generalkonferenz der Methodisten

Verantwortungsträger der weltweiten United Methodist Church trafen sich Ende März auf den Philippinen. Sie beschäftigten sich auch mit den Entscheiden der ausserordentlichen Generalkonferenz Ende Februar - und deren Folgen. Dabei gelang es, in einem geschützen Rahmen einen offenen Austausch zu ermöglichen, bei dem die unterschiedlichen Haltungen ausgesprochen werden konnten.

Pfarrer Adilson De Almeida aus Luanda, Angola, wendet sich an Kollegen des Ständigen Ausschusses für Zentralkonferenz-Angelegenheiten während einerSitzung im Màrz in Manila, Philippinen. (Bild: Heather Hahn, UMNS).

Ende März traf sich auf den Philippinen der «Ständige Ausschuss für Zentralkonferenz-Angelegenheiten» der United Methodist Church (UMC). Unter anderem wurde an dieser Sitzung beschlossen, die Arbeit der Methodist/innen in Afrika neu zu strukturieren. Zusammen mit Mitgliedern von drei weiteren Führungsgremien der UMC nahmen sich die Ausschussmitglieder auch Zeit, um zu diskutieren, welche Folgen die Entscheide der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019 (GK 2019) haben. Diese Tagung, die das Ziel hatte, inmitten langjähriger Spannungen über den Umgang mit praktizierter Homosexualität zu einer Einheit zu finden, scheint die weltweite UMC noch stärker polarisiert zu haben.

 

Weltweite Kirche sein?
Viele der etwa 75 Teilnehmenden der Tagung auf den Philippinen fragten sich, was die GK 2019 letztlich für die Zukunft einer Kirche bedeute, die sowohl demokratisch als auch global sein will. «Können wir weiterhin eine globale Kirche sein?», fragte Bischof Eduard Khegay, zu dessen Bischofsgebiet in Eurasien die Ukraine, andere ehemalige Sowjetrepubliken und ganz Russland gehören. «Wie viel Einheit wollen wir? Wie viel Kontextualisierung wollen wir zulassen?»

 

Widerstand und Verletzungen
Die GK 2019 hatte mit einer knappen Mehrheit von 438 zu 384 Stimmen den «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan) angenommen, der die bestehende negative Beurteilung praktizierter Homosexualität bestätigt und die Durchsetzung von Verboten für «sich selbst als homosexuell bekennende» Geistliche und gleichgeschlechtliche Trauungen forciert. Allerdings stösst der Plan bereits auf Widerstand bei denen, die diese Massnahmen als diskriminierend gegenüber LGBTQ-Kirchgänger/innen ansehen.
Viele der Teilnehmenden auf dem philippinischen Treffen wollten auch klarstellen, dass LGBTQ-Kirchenangehörige nicht die einzigen sind, die verletzt werden. Methodist/innen in den Zentralkonferenzen (Kirchenregionen in Afrika, Europa und den Philippinen), die den «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan) unterstützten, sagten, dass auch sie Schmerz empfänden. Insbesondere brachten sie zum Ausdruck, dass sie sich von Methodist/innen in den USA ausgegrenzt fühlten.

 

Keine finanzielle Unterstützung mehr
Bischof Khegay sagte, dass sein Bischofsgebiet aufgrund der Unterstützung seiner Delegierten für den «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan) Widerstand erfahre. So habe er E-Mails von Personen erhalten, die schrieben, dass sie die Arbeit in seinem Gebiet nicht mehr finanziell unterstützen wollten. «Ich finde das bedrohlich», sagte er. «Die Menschen in meinem Bischofsgebiet fragen sich: Sind wir eine Kirche, die die Bedürftigen unterstützen will, auch wenn sie anders denken? Oder unterstützen wir nur diejenigen, die so denken wie wir?»
Simon Mafunda, ein Delegierter der Ost-Simbabwe-Konferenz an die GK 2019, sagte, dass die Afrikaner/innen, mit denen er nach den Abstimmungen gesprochen habe, sich ebenfalls herabgesetzt fühlten. «Es entsteht der Eindruck, dass sie wie Täter/innen behandelt werden, und eine andere Gruppe von Menschen sind die Opfer – und zwar einfach deswegen, weil sie ihr gutes Recht ausgeübt haben, das zu unterstützen, was sie glauben», sagte er.

 

Misstrauen und Bestrafung
Wieder andere unterstrichen, dass der «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan) nicht einfach den Status quo bekräftige, sondern darüber hinaus gehe. Der Plan enthalte auch Bestimmungen, die zuvor als verfassungswidrig bezeichnet worden waren und die von den Jährlichen Konferenzen (Synoden) verlangen, dass sie die sich auf praktizierte Homosexualität beziehenden Bestimmungen im Hinblick auf die Ordination von Pfarrer/innen einhalten. Ansonsten verlieren sie die finanzielle Unterstützung und das Recht, das konfessionelle Logo zu verwenden. Der Rechtshof, die höchste juristische Instanz der Methodist/innen, wird die Verfassungsmässigkeit des Entwurfs noch in diesem Monat überprüfen.
«Als die Entscheidung am letzten Tag der GK 2019 getroffen wurde, gaben mir viele unserer Leute zu verstehen: Das ist nicht mehr meine Kirche. Ich habe in meiner geliebten Evangelisch-methodistischen Kirche mein Zuhause verloren», sagte Bischof Harald Rückert aus Deutschland. «Nicht nur weil LGBTQ-Personen ausgeschlossen werden, sondern auch, weil dieser Plan versucht, einen Geist des Misstrauens und der Bestrafung einzuführen.» Er sagte dies, nachdem der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland angekündigt hatte, dass er den «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan) nicht umsetzen werde. Das Gremium hatte auch beschlossen, dass ein Runder Tisch gebildet werden solle, um nach Wegen zu suchen, die Einheit zu bewahren.

 

Spaltet sich die UMC?
In zahlreichen Gesprächen in unterschiedlichen Ländern wird vermehrt auch über eine mögliche Spaltung der UMC nachgedacht. Die Debatte hat auch darum Brisanz, weil immer noch der Grossteil der allgemeinen kirchlichen Aktivitäten durch Methodist/innen in den USA finanziert wird. Pfarrer Jay Williams, der sich als queere Pfarrperson bezeichnet, sagte zu den auf den Philippinen Versammelten: «Wenn die Ausgrenzung von LGBTQ-Leuten unerlässliche Voraussetzung dafür ist, Methodist/in zu sein, dann gibt es keine Möglichkeit für uns, zusammen zu bleiben.» Pfarrer Adilson de Almeida, ein Delegierter der Konferenz von West-Angola, sagte später gegenüber dem United Methodist News Service, dass es Zeit sei zu gehen für Menschen, die die Richtlinien für LGBTQ-Personen ändern wollten. «Einige Leute müssen gehen, aber sie können sich dazu entscheiden, auf eine freundliche Weise zu gehen – und nicht so, wie sich das jetzt abzeichnet», sagte er. «Das ist eine Möglichkeit. Es tut mir leid, wenn das einige Leute unglücklich macht. Wir haben eine Entscheidung getroffen, und die sollte respektiert werden.» Bischof Khegay sagte UMNS, dass so etwas wie der «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» (One Church Plan) für die Kirche in Russland absolut inakzeptabel wäre, wo Methodist/innen bereits jetzt Einschränkungen unterlägen und alles, was als «Propagierung nicht traditioneller sexueller Beziehungen» angesehen wird, mit einer Geldstrafe belegt werden könne.

 

Wie Einheit möglich sein könnte
Pfarrerin Kimberly Reisman, eine Delegierte der Konferenz von Indiana, sagte aufgrund ihre Erfahrungen als Exekutivdirektorin von «World Methodist Evangelism», einem Arbeitsbereich des Weltrates Methodistischer Kirchen, zu dem neben der UMC noch viele andere methodistische und wesleyanische Kirchen gehören: «Es gibt Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, die kreativ und lebenserhaltend sind, solange Raum bleibt, dass die Beteiligten sie selbst bleiben können. Ich bin mir nicht sicher, ob wir in unserem Gespräch schon an diesem Punkt sind oder wie das für die UMC aussehen würde. Aber es gibt Möglichkeiten, wie Menschen in der Mission geeint sein können, um Christus nachzufolgen.»

 

Heather Hahn, UMNS


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