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Gott dienen

"Wer wollte in unserer Zeit für einen geringeren Zweck leben als Gott zu dienen?"

John Wesley (1703 - 1791)

Dienstag 12. Februar 2019 06:32Alter: 66 days
/ Kategorie: Schweiz

«Bethesda Weg-Gemeinschaft» ist auf die gemeinsame Reise gestartet

Zusammen mit drei weiteren Personen halt Pfarrer Walter Wilhelm Mitte Januar mit einem ersten Treffen eine neue Gemeinschaft gegründet: Die «Bethesda Weg-Gemeinschaft». Worum es bei dieser neuen Weggemeinschaft geht, sagt er im Gespräch.

(Bild: zVg)

Was muss ich mir unter der «Bethesda Weg-Gemeinschaft» vorstellen?
Es geht um eine Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft. In diesem Sinn ist es eine alte christliche Form der Gemeinschaft, die unter einer bestimmten Vision zusammenkommt und lebt. Diese Vision ist, dass die Menschen, die hier zusammenkommen, ihr eigenes Lebens aus dem Evangelium von Jesus Christus heraus verstehen möchten und ihm so Gestalt geben, indem sie im GeHEIMnis Gottes daheim sind. Zur Vision gehört auch, dass wir Menschen gerecht werden in unserem Alltag, einander gerecht werden in der Gemeinschaft – und die Hoffnung stärken für Menschen in ihrem Alltag.

Und wofür steht dabei das «Bethesda»?
Das Diakonat Bethesda wurde als ein diakonisches Werk von einer evangelischen Schwesterngemeinschaft, von Diakonissen gründet. Diese Gemeinschaft wird auslaufen. Der Stiftungsrat möchte, dass wenn diese Gemeinschaft einmal nicht mehr da ist, es dennoch eine Form für eine «geistliche Trägerschaft» des Diakonats Bethesda gibt. «Geistliche Trägerschaft» heisst, dass diese Personen das Werk mit begleiten – in der Fürbitte, nach Möglichkeit durch konkrete Begegnungen und allenfalls auch durch konkrete Mithilfe in einem Betrieb von Bethesda.

Die neue Gemeinschaft ist eine «Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft». Die «Lebensgemeinschaft» umschliesst aber nicht, wie bisher bei den Diakonissen, dass ihr auch tatsächlich miteinander zusammen lebt?
Das traditionelle Modell sieht vor, das man gemeinsam unter einem Dach wohnt. Das wäre auch weiterhin möglich, ist aber nicht einfach eine Bedingung, um dazu zu gehören. Man kann auch weiterhin dort wohnen und leben, wo man jetzt schon wohnt – und muss nicht unter ein Dach ziehen.
«Lebensgemeinschaft» heisst darum: Wir sehen einander, wir begegnen einander. In der Regel einmal im Monat einen ganzen Tag als gesamte Gruppe. Und einmal im Monat treffen sich die Mitglieder als «Tandem». Bei einem  Tandem ist klar: da sitzen zwei Personen drauf. So treffen sich zwei Personen an einem Abend. Das gibt die Möglichkeit zu einem vertieften Austausch.

Im Januar gab es ein erstes gemeinsames Treffen in dieser neuen Gemeinschaftsform. Wie ist das Treffen abgelaufen?
Das war eine spannende Begegnung mit Personen, die in den acht Wochen vor dieser Begegnung mit mir in Kontakt gekommen sind. Im Austausch haben wir gemerkt, dieser Gedanke, Teil einer solchen Gemeinschaft sein zu können, bringt sie ins Nachdenken und bewegt ihr Herz, so dass sie zu dem Entschluss gefunden haben: Da möchte ich mit dabei sein!    
Wie das bei einem Start so ist, ging es zuerst einmal darum, sich gegenseitig kennenzulernen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Was motiviert uns, bei dieser Gemeinschaft mit dabei zu sein? Wir haben darüber ausgetauscht, welche Fragen uns im Blick auf die Gründung dieser Gemeinschaft bewegen.
Dann haben wir versucht, die vor uns liegenden Aufgaben und Fragen zu «büscheln» und zu klären, was wir als nächstes angehen. Das gleicht ein wenig den Vorbereitungen für eine Wanderung, wenn man sich überlegt: Was ist das für ein Weg? Wie lang ist er? Was brauchen wir unterwegs? Was sind die nächsten Schritte, die jetzt – ich wechsle das Bild – wie bei einer Dominoreihe einer nach dem anderen «fallen» werden. Ein drittes Element bildeten am Anfang ein Mittagsgebet und am Ende des Treffens am Abend ein liturgisches Abendgebet.

Was sind diese nächsten «Dominosteine», die jetzt «fallen»?
Wir haben die weiteren Termine für unsere monatlichen Treffen vereinbart. Beim nächsten Treffen im Februar werden wir uns mit der Vision der Weggemeinschaft auseinandersetzen. Diese Vision ist zuerst in meinem Herzen gewachsen. Nun wird sich am nächsten Treffen zeigen: Wie ist es mit dieser Vision? Wie wird sie von den einzelnen verstanden? Wird sie mitgetragen? Oder gibt es Reibungsflächen? Werden die einzelnen diese Vision zu je ihrer Vision machen? Oder führt die Beschäftigung dazu, dass wir an dem einen oder anderen Satz noch einmal feilen oder einen Aspekt hinzunehmen?
Dann geht es darum Bethesda kennenzulernen und die dazugehörigen Einrichtungen. Es geht um die Frage, wer ist die Schwesternschaft? Wir werden Berührungspunkte suchen mit Mitarbeitenden in den Werken.
Weitere Dominosteine sind: Was bewegt uns im Blick auf diese Vision? Was sind ganz konkrete Konsequenzen für unseren Alltag? Wir denken nach über die Frage, wie es im Rahmen von Bethesda Möglichkeiten geben könnte, Menschen gerecht zu werden. Ich selbst denke zum Beispiel an ein Projekt: Ich würde gerne Pilgerwanderungen machen, mit Personen in Gruppen unterwegs sein, die in Bethesda-Betrieben arbeiten und relativ nahe am Ruhestand sind, so drei, vier Jahre vor dem Ruhestand. Ein Pilgerprojekt: «Übergang in den Ruhestand.» Es gibt genügend Kurse, die sich mit den finanziellen Aspekten des Ruhestandes auseinandersetzen. Aber was heisst das eigentlich für mich? Was mache ich mit meinem Leben? Wo habe ich einen Lebenssinn, wenn ich nicht mehr den Wert aus meiner Erwerbstätigkeit beziehe? Was heisst das für meine Beziehungen, für die Partnerschaft…? - Das könnte für mich so eine Konkretion dafür sein, Menschen gerecht zu werden.

Wie kommen neue Menschen zu dieser Gemeinschaft hinzu?
Das ist eine spannende Frage. Es gibt mehrere Ansätze, die wir hier verfolgen – ohne dass wir genau abschätzen können, inwiefern die wirklich zum Erfolg führen.

Ich habe zum Beispiel die Erfahrung gemacht, dass die drei Personen, mit denen zusammen ich nun den Start gemacht habe, nicht Personen sind, die ich angesprochen habe. Vielmehr haben sie mich gefragt: «Du hast doch die Stelle gewechselt? Was machst Du jetzt eigentlich?» Dann habe ich ihnen erzählt, was ich mache: Dass ich jetzt daran bin, diese Gemeinschaft zu gründen. Personen, auf die ich aktiv zu bin, haben jeweils gesagt: «Du hast das zwar richtig eingeschätzt, das ist etwas, das mich bewegt. Aber ich kann mich im Moment aus persönlichen Gründen daran nicht beteiligen.» Das ist eine interessante Erfahrung, dass uns diese drei Personen wie geschenkt wurden – und dort, wo ich aktiv auf die Suche gegangen bin, diese Personen nicht mitmachen. Dennoch ist damit ein Mittel genannt: Aktiv auf Menschen zugehen, von denen ich den Eindruck habe, dass das etwas für sie sein könnte.
Ein zweites Mittel ist: Nicht nur davon reden, sondern auch davon schreiben. Das heisst also, auch über die Medien das Projekt bekannt machen. Zum Beispiel hat der letzte Beitrag in «Kirche und Welt» dazu geführt, dass drei Personen mit mir Kontakt aufgenommen haben. Auch mit den Möglichkeiten, die Facebook bietet, wollen wir Menschen erreichen, die bisher nicht wussten, wie sie so etwas angehen sollten.

Was könnte Personen motivieren mitzumachen?
Die Gesellschaft, in der wir leben, ist einerseits eine stark individualisierte Gesellschaft – das ist ein positiver Wert. Ich meine das nicht im negativen Sinn! Es ist eine Gesellschaft, die dem einzelnen sehr viel ermöglicht. Zugleich lässt sie den einzelnen aber manchmal auch allein. Dort, wo sich die Frage stellt: Ich bin oft nur mit mir allein unterwegs, ich möchte gerne aber auch mit anderen zusammen unterwegs sein. Wo ist eine Gemeinschaft, die mir die Möglichkeit dazu bietet?
Grade dann, wenn ich weiss, diese Gemeinschaft trifft sich «nur» einmal im Monat einen ganzen Tag, dann ist das «leistbar». Wenn ich mir diese Priorität setze und einmal im Monat diesen Tag investiere, dann kann ich da wie einen Moment «eintauchen» – was mir einen intensiven Austausch ermöglicht auf verschiedensten Ebenen – und mich Gemeinschaft erfahren lässt. Und im gemeinsamen Suchen danach, was es bedeutet, Menschen gerecht zu werden, können wir entdecken: Das macht Sinn in meinem Leben.

Wie könnte die Zukunft dieser Gemeinschaft aussehen – in fünf Jahren?
Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren eine Gruppe von 20 Personen sind, von denen 15 irgendwo wohnen und fünf sagen: Wir wagen das Experiment, unter einem Dach zu wohnen – an einem Standort, an dem es einen Bethesda-Betrieb gibt. Und dass tatsächlich diese fünf Leute in diesem Betrieb auch eine Rolle spielen. Ich erhoffe mir auch, dass von diesen 20 Personen zwei Projekte innerhalb von Bethesda ausgehen – ähnlich wie das Pilgerangebot «Den Übergang in den Ruhestand gestalten».
Wenn ich sage: 20 Personen in fünf Jahren, dann könnte man fragen: Ist das nun viel oder wenig? – Doch zu dieser Weggemeinschaft gehört, dass man immer wieder für ein Jahr «Ja» sagt. Von daher rechne ich auch damit, dass vielleicht in vier Jahren ein oder zwei der Personen, die jetzt mit dabei waren bei der Gründung, nicht mehr mit dabei sind. Aber dass auch neue Personen dazu kommen.

Könnte es auch sein, das aus dieser Weg-Gemeinschaft nichts wird?
Das ist auch möglich. Es gibt überhaupt keine Garantie, dass dieses Projekt zum Fliegen kommt. Man könnte sogar sagen: Andere Diakoniewerke haben auch schon ähnliche Versuche unternommen – und dann wieder abgebrochen. Warum sollte es uns – als Bethesda – da anders gehen? Das ist eine Möglichkeit. Ich sage: Das wird sich weisen.
Es gibt aber auch andere Gemeinschaften, etwa im Diemtigtal auf der Grimmialp, wo vier Frauen über viele Jahre ein Kurhaus geführt haben – und sie haben unglaublich tiefe Spuren hinterlassen, einfach weil sie dort als Kommunität gelebt und gearbeitet haben. Das zeigt auch, dass Wirkung keine Frage der Zahlen ist, sondern entscheidend ist, dass die Leute, die dabei sein, mit ganzem Herzen dabei sind.

 

Interessiert?

Wenn Sie mehr über die Bethdesda Weg-Gemeinschaft wissen und prüfen wollen, ob Sie auch ein Teil dieser Gemeinschaft werden, nehmen Sie unverbindlich Kontakt auf mit Walter Wilhelm

 

S.F.


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